Donnerstag, 11. Januar 2018

Weihnachten & Sylvester

Ich hoffe, ihr alle hattet eine wunderschöne Weihnachtszeit. Von mir kann man das nicht behaupten, es war eher ein bisschen... trostlos.
Weihnachten ohne Winter oder zumindest Kälte ist einfach nicht das gleiche.
Am Freitag, den 22. war auch hier der letzte Schultag, die Ferien dauern allerdings nur bis zum 2. Januar, also eine Woche. Es wurde auch ganz normal Unterricht gemacht, obwohl die Hälfte der Schüler nicht anwesend war, aber das war offensichtlich sowohl Lehrern als auch Schülern von Anfang an klar, jedenfalls hat keiner Stress gemacht, andererseits sind die Tage ohne Uniform auch immer entspannter und interessieren nicht so.
Ab 11:00 Uhr hatten wir ein Programm, das den ganzen restlichen Schultag gedauert hat und bei dem jeder Jahrgang etwas vorführen musste. Himmel, ich glaube, ich habe noch nie so etwas Schreckliches gehört wie den Gesang meiner Klasse - es war jedenfalls so traurig, dass es schon wieder lustig war. Naja, die ecuadorianischen Weihnachtslieder sind ohnehin zu 90% aus dem US-amerikanischen übersetzt - und ja, die klingen auf Spanisch noch trauriger, als normalerweise. 
(Wenn ihr Beispiele wollt, sind hier zwei Links, einmal zu einem ecuadorianischen und dann zu einem übersetzten)
https://www.youtube.com/watch?v=vLPimo5YFn8
https://www.youtube.com/watch?v=0fOKYOJI9-k
Am 24. waren wir vormittags auf einem deutschen Weihnachtsmarkt, den man zwar nicht mit richtigen Weihnachtsmärkten vergleichen kann, aber immerhin habe ich deutsches Brot und vernünftigen Käse kaufen können, was will man mehr?
Abends sind wir dann auf der Polizeistation gewesen und haben dort gegessen, weil mein Gastvater arbeiten musste, aber für Weihnachtsstimmung hat das noch lange nicht gesorgt. Anschließend waren wir mit der Großfamilie bei einer Tante, und dort wurde Party gemacht - ecuadorianische Party, keine deutsche, was für mich irgendwie suspekt ist. Ich meine, in diesem wesentlich religiöseren Land geht man an Weihnachten, dem einzigen Tag, an dem man (zumindest meiner Meinung nach) wirklich in die Kirche gehen muss, weil es ein christliches Fest ist, hier nicht in die Messe. Irgendwie komisch und auch ein bisschen widersprüchlich.
Ich glaube, das für mich Schockierendste war der weiße Weihnachtsbaum aus Plastik, der bei meiner Familie stand bzw. steht, ich schätze, der wird etwa zum Zeitpunkt meines Umzugs abgebaut. 

Ich glaube, ein weiterer Kommentar ist nicht notwendig, oder? Höchstens vielleicht, dass er blinkt und dass mich das auf die Dauer sehr sehr agressiv machen kann.
Der weihnachtliche Geschmack lässt hier ohnehin ein wenig zu Wünschen übrig, denn die Mehrheit der Ecuadorianer steht auf Kitsch. Und zwar nicht auf den deutschen Kitsch, sondern eher nach dem zumindest in diesem Fall zweifelhaften Motto "Wenn schon denn schon".


Bescherung gibt es in meiner Gastfamilie übrigens nicht, weil meine Mutter sagt, dass sie ihren Kindern jeden Tag Liebe schenkt (ist das ein Argument...?), aber das kann ich sowieso nicht ändern und Weihnachtsgeschenke sind hier auch nicht so wichtig wie in Deutschland. In der Schule schenkt man sich auch mit seinen besten Freunden nichts, allerhöchstens eine Karte. 
Am 26. sind wir dann nach la paz gefahren, um dort mit der Familie Silvester zu feiern. Leider hat es geschüttet, deshalb gab es weder Feuerwerk noch das Anzünden der Puppen: man stellt eine Figur aus Pappe, Holz und Stoff her und zündet die dann um 24:00 Uhr an. 

Die Puppen meiner Familie, die dann wohl nächstes Jahr benutzt werden...
Ich habe noch nicht so richtig verstanden, woher dieser Brauch kommt und was er symbolisiert, aber egal, Hauptsache, man hat Spaß. Wir haben - bzw. meine Familie hat - genau wie an Weihnachten Truthahn gegessen. Raclette kennt man hier genausowenig wie Bleigießen oder "Dinner for One".
Dadurch, dass wir in la paz waren, habe ich das Erdbeben hier in Quito verpasst - nicht, dass ich mir ein Erdbeben wünschen würde, aber ich will diese Erfahrung unbedingt machen - ist das verständlich? Die Einheimischen halten mich deswegen alle für ein bisschen beschränkt, glaube ich...
Am vergangenen Wochenende wollten wir dann eigentlich in die Messe gehen, aber die war dann in einem anderen Vorort, deshalb haben wir stattdessen einen langen und sehr schönen Ausflug gemacht, den ich sehr genossen habe.
In spätestens zwei Wochen muss ich mich von meiner Gastfamilie verabschieden, das genaue Datum steht allerdings noch nicht fest und auch bei der neuen Familie gibt es Unklarheiten, da meine supercoole Lehrerin mir angeboten hat, mich aufzunehmen, und ich wirklich gern in ihre Familie ziehen würde, zumal die andere Familie 1-2 Stunden von meiner Schule entfernt wohnt. Mal schauen, was dabei noch rauskommt...
Ganz liebe Grüße, ein frohes Neues und bis dann,
Annika

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Die Vorweihnachtszeit

Nächste Woche ist schon Weihnachten, aber hier in Ecuador bekommt man davon nicht besonders viel mit. Natürlich gibt es auch hier Weihnachtsdeko, aber die Weihnachtsstimmung, in die man in Deutschland immer automatisch kommt, existiert hier nicht, oder ich bekomme einfach nichts davon mit.
Es ist schon traurig, wenn Familie und Freunde die ganzen Fotos mit Plätzchen, Schnee, Nikolausstiefeln und ähnlichem schicken, während hier nichts davon existiert oder nur in irgendeiner abgewandelten Kopie, jedenfalls leide ich zur Zeit mehr als nur ein bisschen unter Heimweh, aber ich schätze, in der Weihnachtszeit ist das normal.
Ansonsten geht es mir auch weiterhin gut:
am vergangenen Mittwoch hatte ich das Weihnachtskonzert mit meinem Orchester, und es ist erstaunlich gut gelaufen, auch wenn man das musikalische Niveau nicht mit dem deutschen vergleichen kann, aber das ist schon okay. In der Schule ist gerade die Prüfungsphase, und während mir langweilig ist, weil ich die Tests nicht mitschreiben muss, machen sich alle anderen vollkommen verrückt.
Am Freitag war ich mit meiner Familie bei jüdischen Freunden, und gemeinsam mit ein paar anderen Bekannten haben wir Hanukkah gefeiert bzw. die vierte Kerze der Menora, des siebenarmigen Leuchters angezündet. Das war für mich sehr interessant mitzuerleben, zumal Juden irgendwie tatsächlich  gebildeter sind, jedenfalls haben drei fast fließend Deutsch gesprochen und alle konnten Englisch. Mein Spanisch ist zwar gut genug, um sich auch über schwierigere Dinge zu unterhalten, aber es ist immer wieder eine Wohltat, seine Muttersprache zu hören und zu sprechen, denn da muss man einfach nicht über jede Zeitform, Konjugation und so weiter nachdenken und besitzt den vollständigen Wortschatz.
Wie ihr vielleicht bemerkt, ist in den letzten Wochen nicht wirklich viel passiert, da können die Austauschschüler, die in Deutschland sind, wahrscheinlich mehr erzählen... 
Ehrlich gesagt schaffe ich es im Moment nicht, mich für irgendetwas zu motivieren, ich hoffe, das legt sich bald wieder.
Liebe Grüße von der anderen Seite, ich würde im Moment wahrscheinlich alles geben, um bei euch sein zu dürfen,
eure Annika

Samstag, 2. Dezember 2017

Der tropische Regenwald

Ja, ihr habt richtig gelesen: ich hatte in der vergangenen Woche eine weitere Reise mit Rotary. Wieder einmal war es unglaublich schön, auch wenn das Klima wirklich furchtbar ist... 
Bevor ich mit dem hauptsächlichen Thema des Eintrags anfange, muss ich allerdings noch vom Freitag davor erzählen. An diesem Tag fand nämlich ein Ereignis mit dem Namen "pambamesa" statt - eine Tradition, die von den Inkas stammt. Gemeinsam haben wir in der Klasse auf dem Boden gesessen und versucht (zumindest in meinem Fall), von Bananenblättern zu essen (wobei ich irgendwie die Einzige war, der der Mais die ganze Zeit runtergekullert ist, sehr zur Belustigung meiner Mitschüler; ich habe bis zum Schluss nicht herausgefunden, wie die das machen). Es war jedenfalls amüsant, auch wenn das Essen selbst eher langweilig war, weil alles aus der Natur kommen muss.

Das Wochenende haben wir wieder mal in der Familie gebracht, wobei das zumindest mir nichts ausmacht, ich gehe gern zu den Großeltern. 
Tja, und am Mittwoch morgen ging es dann los... 
Um 9:30 Uhr ging der Flug nach Coca, einem kleinen, aber bekannten Ort im tropischen Regenwald, in dem wir gegen 10:00 Uhr angekommen sind. Von dort aus sind wir mit dem Boot weitergefahren, das während unseres Aufenthalts sowieso unser Hauptverkehrsmittel war (Straßen bauen ist in der Umgebung eher... schwierig). Um 13:00 Uhr sind wir im strömenden Regen angekommen, der aber, wie immer eigentlich, nach einer halben Stunde wieder aufgehört hat.
Das Hotel Sacha Lodge liegt ziemlich abgelegen und ist nur mit dem Boot und zu Fuß zu erreichen: von dem großen Fluss aus, über den man von Coca kommt, muss man etwa 25 Minuten zu Fuß laufen und dann noch mal 10 Minuten Boot fahren. Die kleineren Boote sind außerdem traditionell gebaut. Wie man daraus ja schließen kann, liegt das Hotel an einem See, was den Vorteil hat, dass man beispielsweise Krokodile sehen kann.



Am ersten Tag sind wir nach der Anreise zu einem 45m hohen Aussichtspunkt gefahren, der am höchsten Baum der Umgebung errichtet wurde und von dem ich mir ziemlich sicher bin, dass er in Deutschland nicht mehr geöffnet wäre, jedenfalls nicht, bevor er grundsaniert worden wäre.
Die Aussicht war jedenfalls ziemlich einzigartig, besonders, als die Sonne untergegangen ist. Ich wusste nicht, dass es so riesige Bäume gibt.




Anschließend haben wir noch eine Nachtwanderung gemacht und dabei die ersten Viecher gesehen: Vogelspinnen, riesige Grashüpfer und fette Raupen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Am Donnerstag haben wir einen Tagesausflug unternommen, bei dem wir zu einem Haus gefahren sind und von dortaus einfach ein bisschen in den tropischen Regenwald gegangen sind. Der besteht übrigens nicht nur aus Baumriesen, wie man sich das vorstellt, sondern hauptsächlich aus Palmen und Bäumen, die aussehen, wie eine Mischung aus Birke und Buche.


Abends sind wir dann noch mit dem Boot auf den See gefahren, um die Nachttiere im Wasser sehen zu können, auch wenn der Sonnenuntergang das Schönste daran war.


Am darauffolgenden Tag waren wir in einer Art Museum über die quechuanischen Völker, das von den Frauen eines Volkes errichtet wurde und auch von ihnen geleitet wird. Sie demonstrieren den Besuchern Techniken, typisches Essen, Kunst und so weiter. Ich persönlich fand es sehr interessant, auch wenn ich mich nicht getraut habe, die Maden zu probieren, weder noch lebend noch gebraten, zumal keiner der anderen Austauschschülern, die das probiert haben, gesagt hat, dass es lecker war.



 
Anschließend waren wir bei einer Aussichtsbrücke, die, genauso wie der Turm, in Deutschland 100%ig besser gesichert wäre, aber in Ecuador gewöhnt man sich ja sowieso ab, sich Gedanken über die Sicherheit zu machen (Stichwort: Anschnallgurte), und die Aussicht war, wieder einmal, atemberaubend. 





Tja, und damit war es schon wieder vorbei... 
Im Moment üben wir in der Schule für das "fiesta de Quito", bei dem die Gründung Quitos gefeiert wird (und wir müssen wieder mal in der Schule tanzen). Im Rahmen dessen gibt es unterschiedliche Veranstaltungen, und wahrscheinlich gehe ich am Sonntag mit meiner Schwester und ein paar Freunden auf ein öffentliches Konzert, aber wie immer planen wir das wahrscheinlich 20 Minuten, bevor wir losmüssen.
Am Freitag hatte ich das Rotary-Treffen, bei dem sich entschieden hat, dass ich im Januar die Familie wechseln muss. Meine zweite Gastfamilie wohnt leider 1 ½ Stunden von meiner Schule entfernt, und es gibt wahrscheinlich keine Busse, mal sehen, wie ich dann dorthin komme…
Heute war ich mit meiner Familie bei einem Stierkampf, wobei es hier in Ecuador verboten ist, das Tier zu verletzen. Es war eigentlich ganz lustig, auch wenn ich jedes Mal wieder Angst hatte, dass irgendetwas passiert, was glücklicherweise nicht der Fall war.
Liebe Grüße in das kalte und zumindest teilweise verschneite Deutschland, ich vermisse die Weihnachtszeit.
(Meine Familie hier hat einen Weihnachtsbaum aus Plastik, so wie alle. Aber der ist zusätzlich noch weiß. Mit Glitzer.)
Bis bald,
Annika

Montag, 13. November 2017

Kolumbien

Wie einige von euch vielleicht noch wissen, hatten wir in der vergangenen Woche am Donnerstag und Freitag frei.
Am Donnerstag war der "día de los difuntos", der auf einer Tradition der Ureinwohner basiert: vor der Kolonisierung durch die Spanier haben diese an diesem Tag die Überreste ihrer toten Familienmitglieder durch die Straßen getragen. Nachdem die Spanier diesen Brauch verboten haben, wurden stattdessen große Brote gebacken, die, ähnlich wie Lebkuchenmänner, die Form eines mumifizierten Menschen haben. Heute sind diese "Guaguas de pan" (man spricht es wuawas, das ist Quechua und bedeutet Kind) zwar kleiner, aber man isst sie immer noch und trinkt dazu "Colada morada", ein Getränk aus allen möglichen Zutaten, das immer unterschiedlich schmeckt. Insgesamt ist es meiner Ansicht nach nicht besonders lecker, aber wie gesagt, das hängt von der Zubereitung ab. Am Freitag war dann die Unabhängigkeit Cuencas (oder so). Wie praktisch, dass Ecuador mal eine Kolonie war und man deshalb alle paar Wochen einen freien Tag hat.
Am Donnerstag sind wir jedenfalls nach la paz gefahren und haben den darauffolgenden Freitag Kolumbien besucht. Es ist nicht besonders anders, allerdings ist die Währung eine andere, nämlich Pesos, und darum sind einige Dinge sehr viel günstiger,z.B. Essen.
Wir haben neben einem kleinen Ort auch eine Kirche besucht, und hier sind die Fotos:

Ich habe sogar den Papst getroffen, hehe
 

Es war zwar eiskalt, aber trotzdem lustig... :)
Am Samstag hatte meine Gastschwester Geburtstag, und wir haben einen entspannten Tag in der Nähe von la paz verbracht, wo es einen See und einen besonderen Wald gibt, den "bosque de los arrayanes". Er ähnelt wohl ein bisschen dem tropischen Regenwald (den ich übrigens auch bald kennenlernen werde), aber das Klima ist wesentlich angenehmer, und es gibt andere Tiere: in diesem Wald gibt es bspw. Wölfe.






Was noch?
Achso: ich wusste gar nicht, dass ich so gut Lügen/ Schauspielern/ wie-auch-immer-man-das-nennen-will kann.
Weil meine Schwester keine Geburtstagsparty hatte, haben eine Nachbarin, meine Mutter und ich eine Überraschungsparty organisiert, und ich hatte die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass meine Schwester sich etwas Hübsches anzieht. Sie hat mir tatsächlich geglaubt, dass eine Freundin uns beide auf eine Party eingeladen hat und sich tierisch erschrocken, als wir dann die Treppe runtergegangen sind und 25 Leute gemeinsam "Feliz cumpleaños!!!" gebrüllt haben (ich mich übrigens auch, und das, obwohl ich das wusste, aber das war einfach nur laut). Am darauffolgenden Samstag haben wir gemeinsam mit einigen Cousins bei den Großeltern geschlafen, und dieser verdammte Hund hat um 7:20 Uhr losgebellt, als wäre die Welt untergegangen.
 
Am Ende war dann fast nur noch Familie da


Mit anderen Worten: ich hatte das Wochenende über sehr viel Spaß, aber dafür sehr wenig Schlaf, upsala...
Liebe Grüße an alle, die das lesen,
Annika

Dienstag, 31. Oktober 2017

Die Altstadt Quitos

Am Freitag der vergangenen Woche habe ich (ich glaube das erste Mal in meinem Leben) die Schule geschwänzt, allerdings auf das sehr hartnäckige Drängen meiner Gastmutter (zählt das dann überhaupt richtig als schwänzen...?). In ihrem Kindergarten wurde nämlich Halloween gefeiert, und die Gelegenheit hat sie genutzt, um mich als Fotografin zu verwenden, mir ihre Schützlinge und das Haus zu zeigen und mir die Schminke in die Hand zu drücken. 
Der Kindergarten hier ist eigentlich kein richtiger Kindergarten, zumindest nicht nach dem System, das wir in Deutschland haben.
Selbst die zwei- bis sechsjährigen müssen hier bereits eine Uniform tragen (und zwar in gelb - uargh), die Kindergärtnerinnen werden, genauso wie die Lehrer an den Schulen, mit "profe" angesprochen, und es findet auch Unterricht statt, wenn auch eigentlich nur Sachunterricht und ein bisschen von allem.

Kostüme sind irgendwie überall die gleichen
Am Wochenende habe ich gemeinsam mit meiner Familie etwas nachgeholt, was bisher noch gefehlt hat: die koloniale Altstadt von Quito. Traurig, aber wahr: ich war bereits an der Küste, auf dem Cotopaxi und in Tulcán, habe das Zentrum meiner Heimatstadt aber erst am Samstag kennengelernt.
Ich habe ja bereits erwähnt, dass die Altstadt Quitos das erste Weltkulturerbe überhaupt ist, was sie meiner Meinung nach auch verdient hat. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Gebäude hier alle original, was u.a. heißt, dass die Straßenzüge nicht von modernen Häusern unterbrochen werden.





Im Hintergrund sieht man das Wahrzeichen Quitos: la Virgen de El Panecillo
 Am Anfang sind wir einfach nur ein bisschen rumgelaufen, dann waren wir in einem Museum über Quitos Geschichte und haben später noch ein paar Kirchen besucht. Außerdem habe ich (wieder einmal) ein paar zusätzliche Tanten, Onkel und Cousins kennengelernt. Immer wenn ich glaube, langsam einen Überblick zu haben, kommt eine weitere Familie dazu; es ist eine einzige Katastrophe... 😓 
Abgesehen von meinen bisher vergeblichen Versuchen, die Namen meiner Großfamilie zu lernen, geht es mir gut.
Weil es hier ja keine Jahreszeiten gibt, bekomme ich vom deutschen Herbst glücklicherweise nichts mit, das Wetter bleibt eigentlich unverändert. Im Moment ist es allerdings sehr regnerisch, und hier bedeutet das, dass es "kalt" ist (ca. 13°C, aber hier ist das schon unterirdisch). Leider sind weder meine Klassenräume noch meine Schuluniform darauf ausgelegt, dass es auch mal kühl wird, weshalb die ganze Schule im Moment nur noch bibbert und mit wechselhaftem  Erfolg versucht, sich irgendwie aufzuwärmen. Naja, man gewöhnt sich daran, und die Lehrer drücken (zumindest teilweise) auch mal eine Auge zu, wenn unter dem T-Shirt und der Jacke ein zusätzlicher Ärmel hervorlugt...
Heute hatte ich dann das erste Mal das (zweifelhafte) Vergnügen, meiner Klasse (die übrigens seit 5 Jahren Französischunterricht hat) beim Französisch Lesen und Sprechen zuzuhören. Ich meine, ich wusste schon vorher, dass die Mehrheit hier keinen Satz formulieren, geschweige denn aussprechen kann, aber ich hätte nicht gedacht, dass auch das Lesen so eine Katastrophe ist. 
Allen deutschen Schülern, die sich regelmäßig über die Inkompetenz der Lehrer aufregen, kann ich nur Folgendes sagen: egal, wie blöd sie euch manchmal vorkommen: sie sind trotz allem (meistens) noch besser als die guten Lehrer hier.
Ich vermute, man muss erst ein Bildungssystem wie das ecuadorianische kennen lernen, um das deutsche schätzen zu können, dabei bin ich immerhin auf einer privaten Schule, da sollte doch normalerweise ein gewisses Niveau zu erwarten sein.
Insgesamt merke ich erst hier, wie gut Deutschland organisiert ist, und das gilt von Bildung über Elektrizität bis hin zum Verkehr (aber Dinge wie Natur, Wetter, Mentalität, etc. werden immer hier besser und einladender sein, hehe) .
Kommenden Donnerstag und Freitag haben wir frei, weil so etwas ähnliches wie Halloween gefeiert wird, und ich werde wahrscheinlich mit meiner Familie wegfahren, wir wissen allerdings noch nicht, wohin.
Liebe Grüße in das widerlich kalte und nasse Deutschland, das aber immerhin in allen Gebäuden funktionierende Heizungen hat,
Annika

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Canoa

Eine weitere Woche ist vergangen, die ich erneut mit den anderen Austauschschülern am Strand verbracht habe. Es gibt allerdings ein paar Unterschiede: dieses Mal hatten wir keinen Spanischunterricht, sondern Programm, wir haben auch nicht in einem Luxushotel gewohnt (zumindest nicht in so einem wie letztes Mal in Mompiche), und wir konnten baden, was zumindest mein Freundeskreis ausgenutzt hat.
Am Dienstag ging es los: um 5:00 Uhr morgens musste ich aufstehen, um 6:00 Uhr fuhr der Bus von Quito aus, und um 15:30 Uhr sind wir angekommen. Am besten verstehe ich mich mit zwei deutschen Austauschschülerinnen aus Ambato, mit denen ich immer sehr viel Spaß habe, hehe (#Sarkasmus und so (ich mag das Zeichen, das sieht aus wie eine Waffel)).
Als wir nach der furchtbar ermüdenden Busfahrt in Portoviejo angekommen sind, durften wir auch erstmal nicht auf unsere Zimmer, weil alle Taschen und Koffer auf Alkohol und Drogen durchsucht wurden, und zwar sehr gründlich. 





Den Abend haben wir in einem Park verbracht, in dem es wirklich schöne Wasserspiele gibt. Am nächsten Tag habe ich dann endgültig zu schätzen gelernt, dass ich auf 3000 Metern Höhe wohne.
Am Mittwoch war nämlich ein Umzug in Portoviejo, bei dem die Austauschschüler mitlaufen mussten - und zwar mit einem vorgegebenen T-Shirt, langer Hose und dem Rotary-Blazer, der zwar schön ist, aber spätestens nach einer halben Stunde immer zu warm wird, selbst hier in Quito.
Portoviejo liegt eine halbe Stunde vom Strand entfernt und fast direkt auf dem Äquator - muss ich noch irgendetwas zur Hitze sagen? Also, bei 30°C hatten wir die "Ehre", drei Stunden in langen Klamotten herumzulaufen, und es war die Hölle. (Ich glaube, ich habe in diesen drei Stunden mehr Geld für Wasser ausgegeben, als in den 1 1/2 Monaten davor.)
Anschließend sind wir in das historische Museum bzw. Mausoleum gegangen und haben dort gegessen. Eine wirklich sehr schöne Eigenschaft der Museen hier ist, dass sie immer nur zwei bis drei Räume haben, das heißt man braucht maximal 20-30 Minuten, um alles zu sehen. 


Und so bekommt man Bananen in Ecuador serviert :)
Und dann sind wir endlich an den Strand gefahren. Ehrlich, ich liebe die Küste hier, die ist sooo schön... jeden Tag schwimmen, wobei das Meer übrigens wärmer ist als der Pool, und das, obwohl die Wellen sich durchaus sehen lassen können. Das ist schon ein bisschen absurd, aber auch cool, und es braucht wesentlich weniger Überwindung als in Europa, ins Wasser zu gehen.

Der Sonnenuntergang in Canoa
Die restliche Zeit war absolut entspannt: am Mittwoch sind wir zu einer Insel gefahren, die angeblich eine einzigartige Natur hat, auch wenn ich davon nicht besonders viel gemerkt habe, da wir nur mit einem Boot herumgefahren sind.





Ansonsten ist die "noche de talentos" (Nacht der Talente) vielleicht noch erwähnenswert: die Austauschschüler jedes Landes mussten etwas Typisches vorstellen. Für alle, die es interessiert: wir Deutschen haben das Fliegerlied gesungen (unfassbar kreativ und aufwendig) und waren damit noch nicht einmal die Langweiligsten; es war lustig, weil wir fast 30 Leute waren. Am besten fand ich den Japaner, der einen traditionellen Tanz vorgeführt hat, von dem ich auch ein Video habe, das ich auch gern weiterschicke, falls jemand das sehen möchte.
Weil am gleichen Tag eine Französin Geburtstag hatte, gab es dann auch noch einen Schokoladenkuchen, von dem am nächsten Tag etwa 20 Leute gekotzt haben. Glücklicherweise hatte ich nichts davon gegessen, denn die Ecuadorianer packen immer Ahornsirup oder so drüber, und das macht sowohl Geschmack als auch Konsistenz sehr unappetitlich.
Am Samstag ging es zurück, und während der Großteil der anderen bei KFC gegessen hat, bin ich auf die andere Straßenseite gegangen, um Obst zu kaufen. Leute, ihr glaubt gar nicht, wie billig das hier ist! Mal abgesehen davon, dass die tropischen Früchte von Ananas bis zu Mandarinen hier einfach besser schmecken als in Deutschland, habe ich für 2 Mangos und 5 Mandarinen 1 US-$ bezahlt. Das werde ich während meiner Zeit hier jedenfalls voll ausnutzen, zumal die Mangos angeblich immer noch nicht reif sind... aha?
Am Sonntag sind wir mit Tanten und Cousins in einen Park gegangen, und ich hatte wieder einmal sehr viel Spaß mit meiner Familie. Man merkt erst so richtig, was für ein Glück man hat, wenn man die ganzen Horrorgeschichten über doofe Klassenkameraden oder Familien , die den ganzen Tag vorm Fernseher verbringen und nie etwas unternehmen, hört...
Liebe Grüße ins verregnete Deutschland, ich wünsche euch allen wunderschöne Ferien und entschuldige mich für alle Rechtschreib- und Grammatikfehler,
Annika

Montag, 16. Oktober 2017

Mompiche

Als erstes muss ich mich entschuldigen, dass ich so lange nichts mehr geschrieben habe, aber unser WLAN war bis gestern kaputt und spinnt immer noch rum.
Ich stelle diesem längst überfälligen Blogbeitrag ein paar Fotos voraus:




Also, wie man vielleicht sehen kann, habe ich die vorletzte Woche gemeinsam mit den anderen Austauschschülern, die in diesem Jahr mit Rotary in Ecuador sind, in Mompiche verbracht.
Mompiche ist, zumindest in Ecuador, ein bekannter Ort an der Küste, das heißt, normalerweise hat man durchgehend Sonnenschein. Das war bei uns nicht der Fall, der Himmel war mit wenigen Ausnahmen bewölkt, aber da wir keinen Regen hatten, war das kein Problem, zumal es trotzdem etwas mehr als 25°C warm war.
Der Ort ist vor allem für sein Hotel bekannt, und das ist auch echt beeindruckend und einfach nur pure Entspannung; die einzigen beiden Nachteile sind, dass man erstens nicht im Meer schwimmen kann, denn da kommt ein Fluss an, deshalb wäre es zu gefährlich. Wir sind stattdessen zwei Mal mit einem Boot zu einer vorgelagerten Insel gefahren, um zu schwimmen. Der zweite Nachteil ist, dass es für mehr als eine Woche unfassbar langweilig ist, glaube ich, denn es gibt einfach keine Kultur in dem Ort. Aber da wir ja nur vier Nächte in Mompiche verbracht haben, war das ebenfalls kein Problem.
Offiziell war es eine Reise, um Spanisch zu lernen, aber ich habe in den Kursen, die wir jeden Vormittag etwa 4 Stunden hatten, nichts gelernt (mal ganz ehrlich, nach einem Monat hier weiß man normalerweise, dass es Artikel gibt und welche das sind, die muss man nicht noch 2 Stunden lernen). Also, die Kurse waren vollkommen sinnlos, aber die waren auch nicht das Wichtigste, schließlich waren wir mit ca. 100 Leuten aus der ganzen Welt dort. Man erzählt, vergleicht und lacht viel über die Erfahrungen, die bei allen irgendwie die gleichen und trotzdem vollkommen unterschiedlich sind. Es ist so eine Wohltat, nach einem Monat lückenhafter Verständigung alles verstehen und sagen zu können, das kann man sich nicht vorstellen. Wir sind viele Leute aus Deutschland, etwa 30, dazu kommen die aus der Schweiz und Österreich, die ebenfalls Deutsch sprechen und verstehen.

 

Von den Zimmern hat man einen wirklich wunderschönen Blick direkt aufs Meer, den ich sehr genossen habe, genauso wie das abendliche Spazierengehen am Strand
Womit wir wieder einmal bei der Natur wären. Wir hatten von Quito aus eine achtstündige Anfahrt (was vergleichsweise im Mittelfeld war) und haben auf der Busfahrt wieder einmal eine wunderschöne und abwechslungsreiche Umwelt erleben dürfen, die nach einer Stunde schon wieder eine ganz andere ist. Ich schätze, Folgendes müsst ihr euch noch sehr häufig von mir anhören: 
Ecuador ist ein wunderschönes Land, das sich auch als Urlaubsziel ganz sicher lohnt!!!

Der Strand in Mompiche
Selbst furchtbar lange Busfahrten haben hier ihren Reiz
Am Freitag sind wir zurückgekommen, und das Wochenende habe ich mit meiner Familie verbracht. 
Am Montag war hier einer der Nationalfeiertage: die Unabhängigkeit Guayaquils. Wir sind nach Mindo gefahren, das ist ein kleiner, wirklich niedlicher Ort 1-2 Stunden von Quito entfernt. Ich habe die erste frische Kokosmilch meines Lebens getrunken, das erste Mal Kolibris in freier Wildbahn gesehen (ich habe mich dermaßen erschrocken, als einer plötzlich vor meinem Gesicht rumgeschwirrt ist) und wieder einmal sehr viel Spaß gehabt. 
Ansonsten war die Woche eigentlich normal: ich habe mich gemeinsam mit meinen Freunden über die wirklich unfassbar unfähige Mathe- und Physiklehrerin aufgeregt, bin am Mittwoch eine halbe Stunde zu spät zum Orchester gekommen, das aber noch lange nicht angefangen hatte und habe einen weiteren Film auf Spanisch geschaut (danach bin ich immer so fertig, dass ich direkt ins Bett gehen könnte).
Am Samstag war ich dann wieder einmal in einer katholischen Andacht für einen unbekannten Onkel. Der Padre hat in seiner Predigt 47 Mal das Wort "verdad?" (=stimmt´s?) am Ende seines Satzes verwendet, insofern war es dann doch ganz lustig, auch wenn ich mich ansonsten zu Tode gelangweilt habe. Anschließend sind wir zu unseren Großeltern gefahren und ich bin mit meinem Cousin zum Treffen einer evangelischen Kirche gegangen (ich weiß immer noch nicht so richtig, warum), das eine einzige Party war: mindestens 100 Leute, alle singend und tanzend. Das Einzige, was zu einer "richtigen" Party gefehlt hat, war der Alkohol, hehe...
Am morgigen Dienstag bis Samstag geht es zu einer weiteren Reise entlang der "ruta de la sol", das sind unterschiedliche Strände, die sehr nahe beieinander liegen (und ich darf wieder einmal um 5:00 Uhr aufstehen, uärgh)...
Liebe Grüße, glücklicherweise vermisse ich bisher nur das deutsche Brot, den Regen und vernünftigen Käse,
Annika 

Distrikttour

Wieder einmal sind ein paar Wochen vergangen, in denen ich viel erlebt habe: ich war mit den anderen Austauschschülern auf Distrikt- bzw Ec...